Saturday, August 26, 2006

Welcome Party, Exkursion und Malmöfestival

Jetzt bin ich schon über eine Woche in Lund und es gibt wieder einmal eine Menge zu erzählen. So ganz chronologisch bekomme ich das wohl gar nicht mehr hin, alle Ereignisse aufzulisten, aber sei es drum. Zunächst einmal ein paar trockene Fakten: Lund liegt, wie sicherlich mittlerweile jeder weiß, in Südschweden. Es ist ca. 30 Minuten mit dem Zug von Kopenhagen entfernt und in die drittgrößte Stadt Schwedens, nach Malmö, dauert es ca. 15 Minuten. Malmö liegt direkt am Öresund, also am Meer. Lund selbst hat ca. 100.000 Einwohner, davon 40.000 Studenten. Über die Hälfte der Bevölkerung ist an der Uni beschäftigt, die in eine normale Uni und in eine technische Hochschule gegliedert ist und die größte Universität Skandinaviens sein soll (komisch, dass niemand in Deutschland Lund zu kennen scheint!). Folgedessen kann man in Lund so ziemlich alles studieren. Da hier so viele Austauschstudenten sind, werden wir rund um die Uhr beschäftigt und mit Ausflügen und Parties bei Laune gehalten. Man braucht nur einen Pass (ID) und einen Letter of Acceptance und einem gehört hier fast die ganze Stadt. Das ist übertrieben, aber wehe dem, der eines der beiden Dokumente versehentlich vergessen hat. Derjenige kann nämlich gleich wieder heimgehen. Nix mit Feiern, da kennen die hier keine Ausnahme. Die Welcome Party fand letzten Samstag in einem der Unigebäude statt. Das war keine besonders außergewöhnliche Party: schlechte Musik, zurückhaltende Austauschstudenten und völlig durchgedrehte Schweden. Das einzige was außergewöhnlich war, waren die Preise und die sind immer außergewöhnlich: außergewöhnlich hoch. Hier ist alles f***ing teuer: Lebensmittel im Supermarkt, Snacks in der Stadt, Alkohol sowieso und vor allen Dingen für unserer Verhältnisse der Eintritt zu Parties. Da bezahlt man so zwischen 6 und 9 Euro nur um der schönen schwedischen Musik lauschen zu dürfen und das Tanzbein schwingen zu können, was aber wegen der ständigen Überfüllung solcher Veranstaltungen wohl eher ausgeschlossen ist. Deswegen bin ich auch nicht so traurig, dass meine Bemühungen einer solchen Party beiwohnen zu können bereits dreimal schon in der Schlange vor der Eingangstür gescheitert sind. Es sind einfach zu viele Menschen hier! Das Bier ist auf solchen Parties zwar erschwinglich, aber für deutsche Verhältnisse ist ein halber Liter Limo mit Biergeschmack für 4 Euro dann doch eher teuer. Aber nochmal zurück zur Welcome Party: Als AVer ist man ja bereits geübt darin, aus schlechten Parties zumindest einigermaßen spaßige Feiern zu machen und so war es am Ende doch ganz lustig. Nicht so gut geplant war nur, dass am nächsten Morgen um 8.30 Uhr eine Exkursion anstand. Also habe ich nicht so viel geschlafen, denn, wie jeder jetzt auch weiß, dauert es ja eine Weile um vom Greenhouse in die Stadt zum vereinbarten Treffpunkt zu gelangen. Aber dafür konnte man im Bus ja schlafen. Auf der Exkursion gab es ein Schloss zu sehen (für uns Deutsche wohl eher ein viel zu überdimensionierter Stall) und das Stonehedge Südschwedens namens "Ales stenar". Da stehen einfach ein paar Steine auf einem Hügel am Meer rum und haben die Form eines Schiffes. Sehr schön anzusehen. Es wäre aber schöner gewesen, wenn es nicht den ganzen Tag geregnet hätte. Ansonsten ist das Wetter hier sehr wechselhaft. Es ist ein typisches Inselwetter: nachts und morgens regnet es häufig und tagsüber ist es dann zwar warm, aber windig. Ich habe mir deswegen gleich noch eine Regenhose gekauft, die jetzt zum Inventar in meinem Rucksack gehört, denn es ist verdammt kalt, den ganzen Tag völlig durchnässt rumlaufen zu müssen. Aber man kann sich ja mit Kaffee aufwärmen: der ist nämlich nicht so teuer. Mein Tagesablauf in der letzten Woche war ziemlich eintönig: Morgens bin ich in die Stadt geradelt, habe einige Dinge erledigt und dann bei einem Kaffee meine Schwedisch-Hausaufgaben gemacht (meiner Meinung nach übertreiben die es hier: es gibt jeden Tag drei Seiten Grammatik-Übungen als Hausaufgabe und es wird kontrolliert!) um danach mich vier Stunden an die schwedische Sprache zu gewöhnen. Danach bin ich dann wieder heimgeradelt und habe was gegessen. Abends waren wir dann immer unterwegs, haben in Schlangen gestanden, mit ziemlich komischen Schweden, die wir auf der Straße angesprochen hatten, Bier getrunken, mit anderen Austauschstudenten gegrillt und waren auf dem Malmöfestival. Das ist ein Musikfestival in Malmö, das so ähnlich ist wie das Schlossgrabenfest in Darmstadt nur ungefähr dreimal so groß oder noch größer. Es gibt jede Menge Bühnen mit Live-Musik und eine Fressbude an die andere. Gestern war dort der letzte Tag mit großem Abschlussfeuerwerk. Ich konnte die Größe des Feuerwerkes leider nur erahnen, weil das meiste wohl von den Bäumen vor mir verdeckt wurde. Dann habe ich noch "The Sounds" gehört. Ich glaube, dass die echt gute Musik machen, aber die Sängerin war so voll, dass sie keinen Ton getroffen hat. Aber die Stimmung war klasse und ich habe mich amüsiert. Die Menschenmassen, die dann ebenfalls nach Lund zurück wollten, konnten nur durch die penible Fahrkartenkontrolle am Eingang des Bahnsteiges gebändigt werden. Aber das Fahrkartekartenkaufen an und für sich war schon sehr mühsam. Ansonsten habe ich diese Woche noch meinen Stundenplan bekommen und am Montag fängt dann die Uni an. Bin mal gespannt, was dann auf mich zukommt, denn bisher kenne ich nur Austauschstudenten, aber dafür habe ich ganz schnell ganz viel Anschluss gefunden. Alle, ob Koordinatoren an der Uni, Schweden auf der Straße oder die anderen Austauschstudenten, sind furchtbar nett und aufgeschlossen und wenn man erstmal das Gefühl, man sei in einer Jugenherberge oder im Urlaub verloren hat, kann man sich hier, glaube ich, echt wohlfühlen.

Saturday, August 19, 2006

Wo zum Teufel ist das Greenhouse?

Hallo ihr Lieben!

Hier nun das erste Lebenszeichen von mir aus Lund. Drei lange Tage habe ich nun hinter mir und die ersten Eindrücke hier kann ich gar nicht in Worte fassen. Aber ich versuche euch einen kleinen Überblick über das zu geben, was ich bisher erlebt habe:
Meine Reise startete um ca. 23.15 Uhr am Kölner Hauptbahnhof. Da wie immer auf die Deutsche Bahn Verlass war, hatte der Nachtzug, der mich nach Kopenhagen bringen sollte, gleich mal 30 Minuten Verspätung. Also blieb noch Zeit für zwei Kölsch, denn Bier soll ja bekanntlich teuer sein in Schweden. Schon im Nachtzug habe ich Austauschstudenten kennen gelernt, die mein Schicksal teilten und sich mit mir auf den Weg nach Schweden machten. Das Witzige dabei war, dass ich auf ein Mädel traf, das mit mir zusammen in der Grundschule war und die ich seitdem nicht mehr gesehen hatte. Ja, ja die Welt ist so klein! Wie das Leben so spielt, habe ich natürlich auch mit den Mitreisenden in meinem Zugabteil viel Glück gehabt. So teilte ich mir den Liegewagen nicht mit anderen Studenten, sondern mit einem Informatiker, der die ganze Zeit in ohrenbetäubender Lautstärke geschnarcht hat. Als ich endlich Schlaf gefunden hatte, wurde ich an der dänischen Grenze unsanft mit den Worten "Passport!" eines Grenzbeamten geweckt, der ohne Vorankündigung die Abteiltür aufgerissen hatte. Ich habe dann einfach aufgegeben noch mal Schlaf zu finden und mich ins Bord-Bistro gegeben. Da habe ich dann versucht den Schlafmangel mit Kaffee zu kompensieren, was sich später als eine sehr gute Idee erwies. Außerdem habe ich dabei noch mehr Leute kennen gelernt, denen es an der dänischen Grenze genauso ergangen war. Angekommen in Kopenhagen drängten alle in den Regionalzug nach Lund und es war gar nicht so leicht mit dem ganzen Gepäck in den Zug zu gelangen, der mit Koffern, Reisetaschen, Rucksäcken, Fahrrädern und den jeweiligen Besitzern fast aus allen Nähten platzte. Dann wurde auch noch der hintere Zugteil, in dem ich ein Eckchen gefunden hatte, in Malmö abgekoppelt. Schließlich kam ich dann gegen 11.15 Uhr in Lund an, wo ich mit allen anderen von Mentoren, ähnlich den OWO-Tutoren, empfangen wurde. Dann ging die elende Warterei los: zunächst auf den Bus, der mich zum AF-building brachte, wo man registriert wurde und seinen Mietvertrag unterzeichnen musste, dann eben auf die erwähnte Einschreibung und das Zimmer. Bis ich meinen Zimmerschlüssel in Händen hielt, vergingen ca. 5 Stunden, in denen man mit allerlei Informationmaterial versorgt wurde (nicht, dass ich schon genug Gepäck gehabt hätte!). Den Mietvertrag musste man natürlich unterzeichnen, ohne das Zimmer zuvor besichtigen zu können. Der erste Satz, den ich hörte, als der Zuständige vom International Housing Office meinen Umschlag (jeder bekommt hier unzählige Umschläge mit diversen Inhalten und immer schön mit Namen versehen) öffnete und mir den Schlüssel überreichte, war: "Oh the Greenhouse, so should steal a bike and get a lock!". Als mich das Mentoren-Taxi hier im Greenhouse absetzte, verstand ich diesen Satz. Das Greenhouse ist eigentlich gelb und trägt den Namen wohl deshalb, weil es mitten im Grünen in der Pampa liegt. Also nix mit 5 Minuten in die Innenstadt, geschweige denn zur Uni. Dann traf ich hier nicht mal jemanden an. Da stand sie nun, die kleine Bubse, ganz allein mitten im Nirgendwo. Aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen, also habe ich, nachdem ich das Zimmer inspiziert hatte, mich auf die Suche nach Leben begeben (das gibt es hier glücklicherweise nicht in der Küche). Da traf ich einen Schweden, der gleich mit mir zu einem Supermarkt gefahren ist, wo ich wenigstens Essen einkaufen konnte. Dieser Schwede verschwand übrigens genauso plötzlich wieder, wie er aufgetaucht war. Aber nach dem Einkaufen traf ich auf andere Austauschstudenten in meinem Flur und wir entschieden gemeinsam zu kochen. Hier wohnen: ein Canadier, ein Brite, ein Spanier, zwei Mädels aus Frankreich und ein Mädel aus den USA. Ich habe noch nie so viel Englisch gesprochen wie in den letzten Tagen. Mittlerweile sind wir noch mehr Leute, denn wir teilen ja alle das Leid, dass wir so weit weg vom Schuss wohnen. Ich habe mir gleich ein schönes Fahrrad gekauft: 50 Euro mit Schloss, der Rahmen gebrochen, im Zahnkranz fehlen Zähne und der Reifen eiert, aber oh Wunder es fährt und sieht gut aus. Es dauert auch nur 20 Minuten in die Stadt. Immerhin besser als 1,5 Stunden laufen. Busse fahren nur einmal die Stunde bis 18 Uhr und am Wochenende gar nicht. Aber wenn man 20 Minuten durchs Kornfeld läuft, kommt man an eine andere Bushaltestelle, wo die Busse 4mal die Stunde fahren und am Wochenende sogar bis 2.30 Uhr. Da gibt es sogar einen Supermarkt. Fahrräder sind hier so teuer, da war meines ein Schnäppchen. Die verkaufen hier Räder, die sind noch schlechter als meines für über 100 Euro. Das hört sich jetzt bestimmt alles sehr schlimm an, aber das Zimmer ist super, Internet habe ich ja auch und Küche und Bad, was ich mir übrigens mit den anderen teile, sind echt ok. Bis jetzt haben wir jeden Abend gemeinsam gekocht, gegessen und etwas zusammen unternommen und wenn man den Weg in die Stadt zu 15t zurücklegt, ist das alles nicht mehr so schlimm. Man kann ja dabei Leichtbier trinken, zusammen lachen und sich kennen lernen. Die Tage sind dermaßen vollgepackt, dass ich um 9.00 Uhr in der Früh das Haus verlasse und erst wieder gegen 20.00 Uhr zurückkomme. Ich weiß jetzt, dass gut organisiert mindestens so anstrengend sein kann wie schlecht organisiert. Jede Menge Informaionsveranstaltungen, 4 Stunden Sprachkurs am Tag mit Hausaufgaben und dann muss man sich ja auch noch um dies und jenes kümmern. Alles in allem habe ich die ersten Tage hier sehr genossen und viel erlebt. Mir geht es also gut und ich denke an euch, wo immer ihr auch seid, in Deutschland oder sonstwo auf der Welt! Bis bald...