Welcome Party, Exkursion und Malmöfestival
Jetzt bin ich schon über eine Woche in Lund und es gibt wieder einmal eine Menge zu erzählen. So ganz chronologisch bekomme ich das wohl gar nicht mehr hin, alle Ereignisse aufzulisten, aber sei es drum. Zunächst einmal ein paar trockene Fakten: Lund liegt, wie sicherlich mittlerweile jeder weiß, in Südschweden. Es ist ca. 30 Minuten mit dem Zug von Kopenhagen entfernt und in die drittgrößte Stadt Schwedens, nach Malmö, dauert es ca. 15 Minuten. Malmö liegt direkt am Öresund, also am Meer. Lund selbst hat ca. 100.000 Einwohner, davon 40.000 Studenten. Über die Hälfte der Bevölkerung ist an der Uni beschäftigt, die in eine normale Uni und in eine technische Hochschule gegliedert ist und die größte Universität Skandinaviens sein soll (komisch, dass niemand in Deutschland Lund zu kennen scheint!). Folgedessen kann man in Lund so ziemlich alles studieren. Da hier so viele Austauschstudenten sind, werden wir rund um die Uhr beschäftigt und mit Ausflügen und Parties bei Laune gehalten. Man braucht nur einen Pass (ID) und einen Letter of Acceptance und einem gehört hier fast die ganze Stadt. Das ist übertrieben, aber wehe dem, der eines der beiden Dokumente versehentlich vergessen hat. Derjenige kann nämlich gleich wieder heimgehen. Nix mit Feiern, da kennen die hier keine Ausnahme. Die Welcome Party fand letzten Samstag in einem der Unigebäude statt. Das war keine besonders außergewöhnliche Party: schlechte Musik, zurückhaltende Austauschstudenten und völlig durchgedrehte Schweden. Das einzige was außergewöhnlich war, waren die Preise und die sind immer außergewöhnlich: außergewöhnlich hoch. Hier ist alles f***ing teuer: Lebensmittel im Supermarkt, Snacks in der Stadt, Alkohol sowieso und vor allen Dingen für unserer Verhältnisse der Eintritt zu Parties. Da bezahlt man so zwischen 6 und 9 Euro nur um der schönen schwedischen Musik lauschen zu dürfen und das Tanzbein schwingen zu können, was aber wegen der ständigen Überfüllung solcher Veranstaltungen wohl eher ausgeschlossen ist. Deswegen bin ich auch nicht so traurig, dass meine Bemühungen einer solchen Party beiwohnen zu können bereits dreimal schon in der Schlange vor der Eingangstür gescheitert sind. Es sind einfach zu viele Menschen hier! Das Bier ist auf solchen Parties zwar erschwinglich, aber für deutsche Verhältnisse ist ein halber Liter Limo mit Biergeschmack für 4 Euro dann doch eher teuer. Aber nochmal zurück zur Welcome Party: Als AVer ist man ja bereits geübt darin, aus schlechten Parties zumindest einigermaßen spaßige Feiern zu machen und so war es am Ende doch ganz lustig. Nicht so gut geplant war nur, dass am nächsten Morgen um 8.30 Uhr eine Exkursion anstand. Also habe ich nicht so viel geschlafen, denn, wie jeder jetzt auch weiß, dauert es ja eine Weile um vom Greenhouse in die Stadt zum vereinbarten Treffpunkt zu gelangen. Aber dafür konnte man im Bus ja schlafen. Auf der Exkursion gab es ein Schloss zu sehen (für uns Deutsche wohl eher ein viel zu überdimensionierter Stall) und das Stonehedge Südschwedens namens "Ales stenar". Da stehen einfach ein paar Steine auf einem Hügel am Meer rum und haben die Form eines Schiffes. Sehr schön anzusehen. Es wäre aber schöner gewesen, wenn es nicht den ganzen Tag geregnet hätte. Ansonsten ist das Wetter hier sehr wechselhaft. Es ist ein typisches Inselwetter: nachts und morgens regnet es häufig und tagsüber ist es dann zwar warm, aber windig. Ich habe mir deswegen gleich noch eine Regenhose gekauft, die jetzt zum Inventar in meinem Rucksack gehört, denn es ist verdammt kalt, den ganzen Tag völlig durchnässt rumlaufen zu müssen. Aber man kann sich ja mit Kaffee aufwärmen: der ist nämlich nicht so teuer. Mein Tagesablauf in der letzten Woche war ziemlich eintönig: Morgens bin ich in die Stadt geradelt, habe einige Dinge erledigt und dann bei einem Kaffee meine Schwedisch-Hausaufgaben gemacht (meiner Meinung nach übertreiben die es hier: es gibt jeden Tag drei Seiten Grammatik-Übungen als Hausaufgabe und es wird kontrolliert!) um danach mich vier Stunden an die schwedische Sprache zu gewöhnen. Danach bin ich dann wieder heimgeradelt und habe was gegessen. Abends waren wir dann immer unterwegs, haben in Schlangen gestanden, mit ziemlich komischen Schweden, die wir auf der Straße angesprochen hatten, Bier getrunken, mit anderen Austauschstudenten gegrillt und waren auf dem Malmöfestival. Das ist ein Musikfestival in Malmö, das so ähnlich ist wie das Schlossgrabenfest in Darmstadt nur ungefähr dreimal so groß oder noch größer. Es gibt jede Menge Bühnen mit Live-Musik und eine Fressbude an die andere. Gestern war dort der letzte Tag mit großem Abschlussfeuerwerk. Ich konnte die Größe des Feuerwerkes leider nur erahnen, weil das meiste wohl von den Bäumen vor mir verdeckt wurde. Dann habe ich noch "The Sounds" gehört. Ich glaube, dass die echt gute Musik machen, aber die Sängerin war so voll, dass sie keinen Ton getroffen hat. Aber die Stimmung war klasse und ich habe mich amüsiert. Die Menschenmassen, die dann ebenfalls nach Lund zurück wollten, konnten nur durch die penible Fahrkartenkontrolle am Eingang des Bahnsteiges gebändigt werden. Aber das Fahrkartekartenkaufen an und für sich war schon sehr mühsam. Ansonsten habe ich diese Woche noch meinen Stundenplan bekommen und am Montag fängt dann die Uni an. Bin mal gespannt, was dann auf mich zukommt, denn bisher kenne ich nur Austauschstudenten, aber dafür habe ich ganz schnell ganz viel Anschluss gefunden. Alle, ob Koordinatoren an der Uni, Schweden auf der Straße oder die anderen Austauschstudenten, sind furchtbar nett und aufgeschlossen und wenn man erstmal das Gefühl, man sei in einer Jugenherberge oder im Urlaub verloren hat, kann man sich hier, glaube ich, echt wohlfühlen.
