Friday, February 16, 2007

So ist das Leben...

Ja, ich weiß, ich habe euch im lezten Monat ein wenig vernachlässigt, aber so ist das nun einmal, wenn der Alltag einkehrt. Darauf habe ich immerhin ein halbes Jahr warten müssen, aber nun ist es soweit. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe:
1. Der Umzug in mein neues Wohnheim in unglaublich zentraler Lage und mit allem möglichen Komfort, den man sich als Student nur wünschen kann. So habe ich nun mein eigenes Bad (Dusche und Toilette) auf meinem Zimmer, einen Kühlschrank, eine Mikrowelle und ein Spülbecken, eine traumhafte Aussicht auf den Bahnhof (eigentlich ganz praktisch, um die Uhrzeit in Erfahrung zu bringen) und ein Wohnzimmer mit einem Fernseher, der mehr als Eurospor und CNN zu bieten hat. Die Küche teile ich mir mit den anderen 8 Bewohnern des Korridors. Die sind auch alle sehr nett, wenn auch ruhiger als die davor. Das hat auch seine guten Seiten, denn so kann ich nachts (zumindest unter der Woche) durchschlafen ohne von pubertierenden Ausauschstudenten geweckt zu werden, die hier in Schweden mehr als nur die Sau rauslassen. Ja, manchmal fühle ich mich als Austauschstudent hier schon ziemlich alt, denn die meisten feiern gerade ihren 20. oder 21. Geburtstag. Na dann, happy birthday! Dementsprechend ausgelassen und übermotiviert ist das Geschrei in der Nacht und das Durcheinander am nächsten Morgen.
2. Mein Stundenplan an der Uni, der einerseits dazu beträgt, dass ich meistens von 8 Uhr bis 18 Uhr unterwegs und beschäftigt bin und andererseits dazu geführt hat, dass ich mehrere schwedische Studenten kennen gelernt habe, mit denen ich die Zeit verbringe. Schwedische Studenten studieren nämlich im Gegensatz zu Austauschstudenten und es ist unheimlich schwer mit ihnen in Kontakt zu kommen. Nach zwei Wochen, in denen man sich fast täglich über den Weg gelaufen ist, kommt plötzlich ein schüchternes "Hallo" von schwedischer Seite und nach drei Wochen kann man schon mal in ein Gespräch verwickelt werden. Das führt dann auf internationaler Seite zu großer Verwirrung, so bei mir: "Moment, hat er/sie gerade mit mir gesprochen?". Aber der "Aufwand" und das Durchhaltevermögen haben sich bezahlt gemacht und so spiele ich jetzt in einem schwedische Mädchen-Team Field-Hockey und gehe gemeinsam mit ihnen in die Gerdahallen (Schwedens führendes Trainingscenter), wo man im Kreis rumläuft, nach rechts und links hüpft und Sit-ups macht (das nennt sich dann übrigens "gympa").
3. Mein Freizeitprogramm, was wegen der Uni viel zu kurz kommt. Unter der Woche mache ich, wie gesagt, viel Sport am Abend, denn da ich dreimal die Woche (und dazu noch mittwochs, donnerstags und freitags) um 8 Uhr in der früh Uni habe, ist das mit dem Weggehen ein wenig anstrengend. Am Wochenende versuche ich dann das Verpasste nachzuholen (obwohl man nie etwas verpasst, weil es doch immer wieder dasselbe ist). Bisher habe ich fast jedes Wochenende gearbeitet, in der Nation oder mit den Leuten von dort woanders. Dafür wird man mit Alkohol oder freiem Eintritt zur Party bezahlt und geht also später noch gemeinsam aus. Was gab es sonst noch? Bier-Pong spielen, Corridor dinner, Spieleabend mit schwedischen Studenten und auf jeden Fall jede Menge Spaß.
Zum Glück ist die erste study period für dieses Jahr bald vorbei und wenn ich meine Lab-reports, home assignments, project reports und examinations hinter mir habe, dann habe ich sogar wieder mal 5 Tage Urlaub. Die nutze ich, wenn alles gut geht für einen Ausflug: 22 Stunden Zugfahren (one way); ich freu mich drauf!
Wo es hingeht? Das verrate ich beim nächsten Mal...

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