Beyond the Arctic Circle
Und hier kommt es: ein weiteres Abenteuer, das ich mit euch teilen oder euch mitteilen möchte.
Nach meiner Prüfung am 7. März habe ich mich auf den Weg nach Kiruna in Lappland gemacht.
Jeder hat bestimmt schon einmal gehört, dass Schweden ein sehr großes Land sein soll oder besser gesagt, dass die Nord-Süd Ausdehnung des Landes (über 1500 km) beträchtlich ist.
Ja, ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wirklich unglaublich lange dauert von Südschweden nach Lappland zu gelangen. 22 Stunden Zugfahren und man ist noch immer nicht an der Grenze, aber dafür hinter dem Artic Circle. Dort, sozusagen fast am Ende der Welt, gab es nicht mehr viel außer ein paar Tannen, viel Schnee und jede Menge Himmel. Aber der Reihe nach.
Nach einer Nacht im Sitzwagen stand ich (zusammen mit Emma) nun am nächsten Vormittag mit Rückenschmerzen und eigentlich weniger ausgeschlafen bei -2°C (ja, es war wärmer als erwartet) in Kiruna am Bahnhof und da ich bei den Temperaturen nicht draußen schlafen wollte, musste eine Jugendherberge her. Gebucht war ein Zimmer, aber es wäre von Vorteil gewesen, wenn man sich aufgeschrieben hätte, wo. Aber Lonely Planet sei Dank haben wir unsere Bleibe noch gefunden. Nachdem wir die Rucksäcke ins Zimmer gebracht hatten, erkundeten wir die Stadt. Leider gab es außer der Kirche nicht wirklich viel mehr zu sehen.
Also fuhren wir mit dem nächsten Bus nach Jukkasjärvi zum Icehotel. Ich weiß nicht, wer freiwillig mehr als 300 € pro Nacht bezahlt um in einer Gefriertruhe zu schlafen, aber abgesehen von den Temperaturen ist es schon faszinierend. Es besteht wirklich alles aus Eis, die Bettgestelle, die Stühle und sogar die Gläser in der Bar. Nachdem wir alles bestaunt hatten, waren meine Füße Eisklötze und ich war richtig glücklich über die mittlerweile -5°C draußen sagen zu können: "Ei, is ja ganz warm hier draußen!"
Am nächsten Tag stand eine Hundeschlitten-Tour auf dem Programm. Um richtig aufzuwachen, musste ich mir erstmal, eingepackt in Skihose und Fleece-Sweatshirt, in der noblen Hotelbar nebenan eine Tasse Kaffee besorgen. Eigentlich wollte ich sogar bezahlen, aber die Bedienung war wohl ein wenig überrascht über das Michelin-Männchen im Speisesaal und hat mir den Kaffee geschenkt. Danach konnte auch mein Tag in der Wildnis beginnen. Dazu mussten wir die Stadt verlassen und wurden ca. 20 km weiter nördlich in der Pampa abgesetzt.
Zunächst wurden die Hunde an den Schlitten gespannt und das Gepäck auf Anhängern am Snowmobil untergebracht. Dann konnte es los gehen und die Hunde zogen mich wahlweise auf dem Schlitten sitzen oder den Schlitten steuernd durch den Schnee. Leider hatten die Hunde Durchfall und der Schlitten musste ständig anhalten, damit einer nach dem anderen sein Geschäft verrichten konnte. Ich habe mir aber sagen lassen, dass das normal ist. Wir hatten dennoch sehr viel Spaß mit unseren diarrhea-dogs. Trotzdem bin ich nach einiger Zeit auf das Snowmobil umgestiegen, was allerdings auch nicht schneller war, weil die Schlitten den Verkehr aufhielten. Nach einer schönen Fahrt über einen oder besser gesagt zwei zugefrorene Flüsse (wenn ich das vorher gewusst hätte) erreichten wir unser Camp. Mitten im Wald umgeben von eben diesen zugefrorenen Flüssen, ohne fließend Wasser und Elektrizität, da sollte ich die nächsten Tage bleiben.
Das Wasser holten wir aus dem Fluss, nachdem ein Loch in die 1.20m dicke Eisschicht (Gott sei Dank!) gebohrt wurden war, zum Mittagesssen gab es Rentier-Fleisch, am Abend haben wir Brot gebacken mit einem einheimischen Sami und hatten jede Menge Spaß. Ob Eishockey-Spielen auf dem Fluss, Cross-Country Skiing, Ice Fishing oder einfach nur durch den Schnee wandern, alles war einfach ein Erlebnis mitten im Nirgendwo. Nachdem wir am nächsten Tag Rentiere gejagt und gefangen hatten, ging es mit den Hundeschlitten wieder zurück zum Ausgangspunkt. Ein Taxi fuhr uns zum Bahnhof und weitere 22 Stunden Zugfahrt lagen vor mir. Diesmal hatten wir leider nichts zu Essen außer einer Packung Kekse, aber wir waren sowieso viel zu müde und geschafft. In Lund angekommen, erwartete uns der Frühling und so hatte sich unser Trip voll und ganz gelohnt, denn wir hatten wohl auch den Winter zurück mit nach Lappland genommen.

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